Kombucha – Heilmittel oder Limonade?

Neulich wurde ich von einer guten Freundin mit einem kleinen, weißen, tellerförmigen und wabbeligen Ding beschenkt
Nun bin ich stolze Kombuchapilz-Besitzerin!

In diesem Artikel will ich euch den Kombuchapilz etwas nÀher vorstellen, auf die gesundheitlichen Wirkungen und die Vor- und Nachteile einer ErgÀnzung der ErnÀhrung mit dem Kombuchapilz eingehen.

Was ist Kombucha?

Kombucha ist ein erfrischendes, prickelndes und fermentiertes TeegetrĂ€nk, welches seinen Ursprung im Fernen Osten hat. Obwohl das GetrĂ€nk sauer riecht, hat es einen leicht sĂŒĂŸlichen, moussierenden, herben und sehr erfrischenden Geschmack. GrundsĂ€tzlich entsteht Kombucha durch die Fermentation („GĂ€rung“ oder die enzymatische Umwandlung von biologischen Materialien) von stark gesĂŒĂŸtem Schwarztee (Dufresne & Farnworth, 2000).

Um den gesĂŒĂŸten Tee zu fermentieren wird der sogenannte Kombuchapilz oder auch IMG-20160223-WA0002Teepilz benötigt. Der Kombuchapilz ist eigentlich kein Pilz, sondern stellt eine Symbiose (Zusammenarbeit zweier Individuen zum beiderseitigen Vorteil) aus verschiedenen Hefen und EssigsĂ€urebakterien dar. Die Hefen vermehren sich im Kombucha und bilden eine gallertartige Schicht an der OberflĂ€che des Tees. Durch die Hefen wird der zugesetzte Zucker zu Kohlendioxid und Alkohol vergoren. Der Alkoholanteil ist mit 0,5% sehr gering, jedoch ist er fĂŒr den typischen Geschmack von Kombucha mitverantwortlich. Der Alkohol wird von den EssigsĂ€urebakterien weiter zu EssigsĂ€ure vergoren. Außerdem fallen durch die Fermentation GlucuronsĂ€ure, GluconsĂ€ure sowie Milch- und EssigsĂ€ure und andere organische SĂ€uren sowie Enzyme an (Pharmazeutische Zeitung, 2000).

 

Welche Inhaltsstoffe hat Kombucha?

Je nach Herstellung und Randbedingungen, variieren der Geschmack des GetrĂ€nks sowie die Farbe des Kombuchapilzes. Benutzt man als Ansatztee FrĂŒchtetee fĂ€rbt sich der Teepilz rosarot. Auch die Herkunft des Teepilzes, die WasserqualitĂ€t, die Zuckermenge und –Sorte und die GĂ€rdauer, haben großen Einfluss auf die Zusammensetzung des Kombucha-GetrĂ€nks. Daraus lĂ€sst sich schließen, dass die Inhaltstoffe des GetrĂ€nks ebenso von der Herstellung sowie den Randbedingungen abhĂ€ngt.

Nachgewiesene Inhaltsstoffe:IMG-20160223-WA0007

  • Lebende Mikroorganismen (MilchsĂ€urebakterien und EssigsĂ€urebakterien)
  • GlukuronsĂ€ure
  • Polysaccharide
  • Enzyme
  • Vitamine (B1, B6, B12, Vit C)
  • Mineralstoffe (Zink und Mangan)
  • Koffein wenn schwarzer bzw. grĂŒner Tee verwendet wird (Dufresne & Farnworth, 2000).

 

NÀhrwerte des Kombucha-GetrÀnks

Die Angaben bezĂŒglich des Energiegehalts von 100ml Kombucha-GetrĂ€nk schwanken zwischen 36 kcal und 110 kcal. Zwar verringert sich der Zuckergehalt proportional zur GĂ€rzeit, jedoch  hĂ€ngt dies davon ab wie lang man es gĂ€ren lĂ€sst und wie viel Zucker man zum Ansetzen verwendet. Nimmt man zum Ansetzen viel Zucker ist der Kombucha am 6ten bis zum 7ten Tag noch sehr sĂŒĂŸlich, nimmt man weniger Zucker, dann wird er zwischen dem 6ten und 8ten Tag schon leicht sauer.

Da die Möglichkeiten, das Kombucha-GetrÀnk noch zu verfeinern, zahllos sind, ist eine eindeutige Festlegung der NÀhrwerte nicht möglich. Da man jedoch selber bestimmen kann, wie viel Zucker verwendet wird und wie lange man das GetrÀnk gÀren lÀsst, kann man auch einen gewissen Einfluss auf den Zuckergehalt des fertigen GetrÀnks nehmen.

Wichtig ist jedoch zu beachten, dass es dennoch ein zuckerhaltiges GetrĂ€nk ist (es kann bis zu 10% Zucker enthalten) und daher fĂŒr Diabetiker grundsĂ€tzlich ungeeignet ist (Kombucha, 2016).

Im Vergleich dazu die NĂ€hrwerte des industriell hergestellten Kombucha Classic von Carpe Diem:

  • 26 kcal
  • 0,1g Eiweiß
  • 6g Kohlenhydrate
  • 0g Fett (FDDB, o.J.)

 

Gesundheitliche Wirkungen von Kombucha

Die positiven Auswirkungen auf den Körper durch regelmĂ€ĂŸigen Konsum des Kombucha-GetrĂ€nks, sollen von der Verbesserung der Darmfunktion, bis zur Aktivierung des Immunsystems, der Anregung des Stoffwechsels bis zur PrĂ€vention von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reichen (Kombucha, 2016). IMG-20160223-WA0005

Jedoch ist die wissenschaftliche Evidenzlage bezĂŒglich des gesundheitlichen Nutzens von Kombucha nicht eindeutig bzw. gibt es nur wenige Studien die die positiven Auswirkungen belegen (Vina et al, 2014). Auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung weist darauf hin, dass ein vorbeugender oder therapeutischer Effekt, wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden konnte. Jedoch soll Kombucha aufgrund der enthaltenen MilchsĂ€ure- und EssigsĂ€urebakterien, eine vergleichbare Wirkung wie Milch- und Sauermilchprodukte aufweisen (Pharmazeutische Zeitung, 2000).

Somit kann gesagt werden, dass der Konsum von Kombucha keine positiven Auswirkungen auf die PrÀvention bzw. das Fortschreiten einer Erkrankung hat. Dadurch sollte Kombucha nicht als therapeutisches Mittel angesehen werden.

Die einzige Wirkung die Kombucha auf die Gesundheit hat, ist die der enthaltenen Probiotika. Diese wirken sich positiv auf die Darmbarriere, bei Durchfallerkrankungen, chronisch entzĂŒndlichen Darmerkrankungen und auch bei HalsentzĂŒndungen aus (Kraft, 2009). Die im Kombucha enthaltenen MilchsĂ€ure- und EssigsĂ€urebakterien zĂ€hlen zu den Probiotika und entfalten bei genĂŒgender Zufuhr die obengenannten Wirkungen. Jedoch hĂ€ngt deren Anzahl auch von der Herstellung und den vorherrschenden Randbedingungen ab. Damit kann keine Verzehrsempfehlung bezĂŒglich der Entfaltung von positiven Effekten abgegeben werden (Probiotika, Definition, Transport und Verteilung, o.J.).

 

Kritik an Kombucha IMG-20160223-WA0006

Wird Kombucha selbst hergestellt, kann es zur Verunreinigung des GetrĂ€nkes aufgrund unzureichender Hygiene kommen. Dadurch können sich pathogene (gesundheitsschĂ€dliche) Keime bilden. Daher hat, bei der Herstellung von Kombucha, Sauberkeit und Hygiene oberste PrioritĂ€t. Auch sollte der Teepilz nicht neben eine Topfpflanze oder offensichtlichen Schimmelquellen (diese sofort entfernen) gestellt werden. Bildet sich eine grĂŒnlich oder blĂ€ulich pelzige Schicht sollte man den Teepilz und das GetrĂ€nk nicht mehr verwenden bzw. trinken. Industriell hergestellter Kombucha wird pasteurisiert und dadurch können pathogene Keime unschĂ€dlich gemacht werden. Dadurch werden aber auch die gesunden Bakterien außer Gefecht gesetzt.

 

Fazit

Meiner Meinung nach ist selbstgemachter Kombucha ein erfrischendes (jedoch gezuckertes) TeegetrĂ€nk, welches in der veganen ErnĂ€hrung womöglich eine Quelle an Probiotika darstellen könnte. Da die Inhaltsstoffe jedoch gravierend schwanken können und aufgrund der unzureichenden wissenschaftlichen Beweislage, wĂŒrde ich Kombucha jedoch nicht als Heilmittel ansehen. Deswegen wĂŒrde ich es auch nicht zu therapeutischenIMG-20160223-WA0009 Zwecken empfehlen und verwenden.

Der schwankende Zuckergehalt macht das GetrĂ€nk fĂŒr Diabetiker ungeeignet, da diese den Gehalt an Zucker (bei selbstgemachten Kombucha) nicht genau feststellen können. Auch sollten alte Menschen, Kinder und immungeschwĂ€chte Personen Abstand vom Konsum von selbstgemachten Kombucha nehmen, da die Möglichkeit einer Kontamination mit pathogenen Keimen (bei mangelnder Hygiene) durchaus gegeben ist.

Wer jedoch Spaß an der Sache hat und es gerne mal ausprobieren möchte, kann sich so sein eigenes SommergetrĂ€nk mit unzĂ€hligen Geschmacksvarianten herstellen.

 

Alles Liebe,

eure Hanna

 

 

Literaturverzeichnis:

Dufresne, C. & Farnworth, E. (2000). Tea, Kombucha, and health: a review. Food Research International. Volume 33, Issue 6, doi:10.1016/S0963-9969(00)00067-3

Kombucha ist kein Gesundheitselexier. (2000). Pharmazeutische Zeitung. Download von http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=medizin3_35_2000

Kombucha. (2016). Verbraucherzentrale. Download von http://www.verbraucherzentrale.de/Kombucha

NĂ€hrwerte Kombucha, Classic. (o.J.). FDDB. Download von http://fddb.info/db/de/lebensmittel/carpe_diem_kombucha_classic/index.html

Vina, I., Semjonovos, P., Llinde, R. & Denina, I. (2014). Current evidence on physiological activity and expected health effects of kombucha fermented beverage. Journal of medicinal food. 17 (2), 179-188. Doi: 10.1089/jmf.2013.003

Kraft, U. (2009). Probiotika. Download von http://www.netdoktor.at/gesundheit/gesunde-ernaehrung/probiotika-5924

Probiotika, Definition, Transport und Verteilung. (o.J.). DocMedicus. Download von http://www.vitalstoff-lexikon.de/index.php?PHPSESSID=srpt11rlemj4lpvhtlcp9tpkh7&activeMenuNr=9&menuSet=1&maincatid=175&subcatid=549&mode=listarticles&maincategory=175&tableExt=-1&

 


6 Gedanken zu “Kombucha – Heilmittel oder Limonade?

  1. Toller Artikel, fachkundige AnfĂŒhrung d Argumente mit persönlicher Note! Hat mich persönlich weiter gebracht u war allgemein sehr informativ! Glg Johanna, eine zukĂŒnftige Kombuchaköchin

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