Palmöl – in aller Munde

Palmöl steht bei der Nahrungsmittelindustrie hoch im Kurs. Es ist gut zu verarbeiten und auch noch sehr billig. Demnach kommt Palmöl bereits in jedem zweiten Lebensmittel vor. Doch welche ernährungsphysiologischen Auswirkungen hat der Konsum von Palmöl auf unseren Körper und woher kommt es eigentlich?

Was ist Palmöl?

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Palmöl oder auch Palmfett wird aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen.

Palmöl besteht zu 44% aus gesättigten Fettsäuren (Palmitinsäure) und zu 39% aus einfach ungesättigten Fettsäuren (Ölsäure) der Rest setzt sich aus Linolsäure und Stearinsäure zusammen.

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Da Palmöl eine sehr gute Hitze- und Oxidationsstabilität besitzt, wird dieses vor allem im Nahrungsmittelsektor eingesetzt. Einerseits wird es als Speisefett (Braten, Frittieren) andererseits zur Herstellung von Backwaren, Margarine, Süßigkeiten und Babynahrung verwendet. Palmöl schmeckt ähnlich wie Butter und verleiht Speisen eine streichfeste und cremige Konsistenz. Außerdem ist es als billiges Fett vor allem in Fertigprodukten zu finden. Palmöl wird jedoch auch als Wasch- und Reinigungsmittel und in der Kosmetikindustrie eingesetzt (Palmöl, o.J.).

Kritik an Palmöl

Doch in den sozialen Medien wird die Kritik am Einsatz von Palmöl immer größer. Laut einer Stichprobe der Verbraucherzentrale, konnte bereits in jedem zweiten Lebensmittel im Supermarkt Palmöl festgestellt werden. Palmöl steht jedoch im Verdacht an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt zu sein.

Wird Palmöl stark erhitzt können Fettsäureester entstehen, die als krebserregend gelten. Die krebserregende Dosierung wurde bis jetzt in Tierversuchen nachgewiesen.

Da Palmöl einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren hat, kann dies zu Erhöhung der Blutfettwerte führen und dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern (NDR, Wie bedenklich ist Palmöl für die Gesundheit?).

Ist Palmöl gesundheitlich bedenklich?

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Bereits die einmalige Aufnahme einer größeren Menge an Palmöl, soll laut deutschen Wissenschaftlern bei gesunden Menschen negative gesundheitliche Auswirkungen haben:

  • Insulinsensitivität wird verringert
    • Insulin wirkt nicht mehr gut an der Zelle um Zucker hinein zu befördern (Diabetesrisiko)
  • Vermehrte Fetteinlagerungen in der Leber
    • Veränderungen des Energiestoffwechsels der Leber
  • Beeinträchtigung der Stoffwechselaktivität von Muskeln, Leber und Fettgewebe

Jedoch betonen die Forscher, dass gesunde Menschen die unmittelbaren Auswirkungen wohl nicht zu spüren bekommen. Die Frage über die langfristigen Folgen bei regelmäßigem Konsum von palmölhaltigen Lebensmitteln, kann jedoch nicht als harmlos abgetan werden (da hier noch weiterer Forschungsbedarf besteht!) (Hernandez et al, 2017).

Daher empfiehlt es sich, aus gesundheitlichen Gründen, auf eine weitgehend palmölfreie Ernährung zu achten und immer einen Blick auf die Inhaltsliste von Lebensmitteln zu werfen.

Welche Probleme bringt Palmöl noch mit sich?

Das Hauptanbaugebiet der Ölpalme liegt in Indonesien und Malaysia, da die Pflanze ausreichend Niederschlag und warme Temperaturen zum Wachsen benötigt.

Da die Ölpalme sehr genügsam ist und einen hohen Ertrag pro Hektar Anbaugebiet bringt, boomt der Anbau der ertragreichen Pflanze und somit die Herstellung von Palmöl.

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Jedoch bringt die Palmölproduktion gravierende soziale und umweltbedingte Probleme mit sich:

  • Schlechte Arbeitsbedingungen
    • Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung und Löhne die nicht zur Deckung der Grundbedürfnisse ausreichen zeichnen die Arbeit auf den Palmölplantagen aus.
  • Landkonflikte
    • Andere Landnutzungsarten werden durch Palmölplantagen verdrängt
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    • Durch die Plantagen verursachten ausgetrockneten Böden machen den Reisanbau unmöglich
    • Belastung von Gewässern und Grundwasser durch die intensive Düngung und die Abwässer der Palmölmühlen
    • Dies bedeutet einen verminderten Fischbestand und ungenießbares Trinkwasser
    • Bei intensiven Regenfällen kommt es durch den trockenen Boden zu Überschwemmungen
  • Artensterben
    • Durch den Verlust von Lebensraum durch den Bau immer größerer Plantagen stirbt die große Artenvielfalt von Indonesien und Malaysia
  • Klimawandel
    • Palmölplantagen haben die höchste CO2-Emissiom
    • Weltweite Palmölproduktion verursacht 309 MIO. Tonnen CO2 Emissionen pro Jahr
    • Das entspricht der 4 fachen CO2 Emission von ganz Österreich
  • Waldbrände
    • Verheerende Brände während der Trockenzeit in Indonesien
    • Durch Trockenlegen der Moorböden
    • Gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung à Atemwegsbeschwerden
  • Unzureichende Zertifizierung
    • Keine sichere Unterscheidung von nachhaltigem Palmöl und Palmöl aus Raubbau für den Konsument gesichert (Wildenberg & Horvath, o.J.)

Was kann man dagegen tun?

Zuerst einmal hilft es einen Blick auf die Inhaltsstoffliste der Produkte zu werfen. Hierbei sollte man auf den Begriff „pflanzliches Fett/Öl (Palmöl)“ oder einfach nur „Palmöl“ achten. Seit Dezember 2014 muss die Art des Fettes/Öl angegeben werden. Dadurch kann man ausschließen ein palmölhaltiges Produkt zu kaufen.

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Wenn man ein Produkt mit Palmöl kauft sollte auf die Zertifizierung des Palmöls geachtet werden. Segregiertes oder Identity Preserved RSPO-Palmöl steht für nachhaltig erzeugtes Palmöl.

Tipps um den Palmölkonsum zu reduzieren:

  • Verzicht auf Fertigprodukte und Convenience-Food
  • Blick auf die Zutatenliste
  • Keine Süßwaren, Backwaren, Kekse etc. kaufen die Palmöl enthalten
  • Regionale, saisonale und frische Lebensmittel einkaufen (Global 2000, Lösung)

 

Literaturverzeichnis

Palmöl. Download am 18.04.2017, von https://de.wikipedia.org/wiki/Palm%C3%B6l
NDR. (2015). Wie bedenklich ist Palmöl für die Gesundheit? Download am 18.04.2017, von https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Palmoel-Gesundheit,palmoel104.html
Hernandez, EA et al. (2017). Acute dietary fat intake initiates alterations in energy metabolism and insulin resistance. Download am 18.04.2017, von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28112681
Wildenberg, M & Horvath, D. (o.J.). Der Palmöl-Report. Global 2000.
Global 2000 (o.J.). Lösung: Palmöl meiden oder nachhaltiges Palmöl. Download am 18.04.2017, von https://www.global2000.at/loesung-palmoel-meiden

 


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